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Ausblick 2019: der Blick in die Kristallkugel

Ausblick 2019: der Blick in die Kristallkugel

Wenn immer man einen Ausblick schreibt, erwartet sich das Gros der Leser (und auch institutionelle Anleger) eine Antwort auf die Frage: was muss ich jetzt tun, um im nächsten Jahr eine anständige Rendite über der Inflation ohne Eingehen grosser Risiken zu erzielen? Die Antwort ist theoretisch sehr simpel: je nach Risikofähigkeit einen Korb aus sicheren Obligationen und Aktien weltführenden Firmen diversifiziert in verschiedenen Branchen kaufen. Leider ist nun aber die ganze Lage ziemlich verkorkst. Fangen wir bei der Gegenwart an:

2018 endet turbulent und in dieser Konstellation einmalig. Warum? Es war wohl die erste Marktkorrektur oder Crash aller Zeiten, den nicht nur quasi die Spatzen vom Dach gepfiffen haben sondern der sich - bis letzter Woche - Punkt für Punkt ans weder von mir erfundene noch ausschliesslich von mir verwendete Drehbuch gehalten hat (siehe auch mein Blog vom 11. Dezember 2018 Wie schlecht steht es um die Märkte? Und ist die jetzige Korrektur "the big one"?. Nun hatten wir also die erwartete Korrektur. Aber ..

..exakt seit dem 24. Dezember sind wir noch schlechter unterwegs als es dem Drehbuch entsprechen würde. Hinter uns liegt die schlimmste Woche der letzten zehn Jahre mit dem S&P 500, der 7% innerhalb von 5 Tagen verliert. Der ohnehin schwache Markt bekam genau zum dümmsten Moment die Signale, die er nicht hören will und verwandelte sich von einem Bärenmarkt in einen Panikmarkt. Gründe: eratische Trump-Politik, versuchte Einmischung der Politik in FED-Entscheide, weitere politische Turbulenzen (Rücktritt Verteidigungsminister), Government Shut Down, und die vollkommen misratene Mnunich-Aktion, die die allgemeine Marktannahme, dass die grossen US-Banken fundamental in sehr guter Verfassung sind, plötzlich in Frage stellte.
Dies hat dazu geführt, dass die Volatility extrem angesprungen ist (VIX auf 31 - letztes Jahr um diese Zeit 10) und zwar, das ist die gute Nachricht, auf ein Niveau, das nicht nachhaltig ist - sprich - das ist schon mal die erste Prognose - sie wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zurückgehen und einen mindestens kurzfristigen Gegentrend einleiten. Und dann?

Der S&P 500 (und die allermeisten grösseren Märkte weltweit) haben in einem Quartal über 15% an Wert verloren, was selbst historisch gesehen sehr, sehr selten vorgekommen ist. Das Ausmass der Korrektur ist insofern erstaunlich, als ihr kein ökonomisch nicht erwartetes Ereignis gegenübersteht (typische Messgrössen: economic activity, corporate profit growth, inflation numbers /corresponding interest rate increases, Finanzkrise, Asienkrise etc.) und wir uns NICHT in einer Rezession befinden, und zwar (fast) NIRGENDWO und auch praktisch NIEMAND eine Rezession für 2019 voraussagt. Warum also die Korrektur und wie geht's weiter:

Möglichkeit 1: Algo-Trading
Noch nie wurde soviel Algo-Trading abgewickelt und so viel passiv angelegt. Im letzten Quartal hatten viele Algos quasi einen Homerun, weil der Markt sich bilderbuchartig an die technischen Signale hielt. So höre ich, dass über 50% Gewinn keine Seltenheit waren (der Kryptobereich sei vielfach noch profitabler gewesen). Die Zunahme systematischen Handels hat sicherlich den Job für Makroökonomen noch schwieriger gemacht, siehe auch sehr interessantes Interview mit Druckenmiller on Economy, Stocks, Bonds, Trump, Fed vom 18.12.2018.
Falls dies der ausschlaggebende Faktor war, sollte 2019 eine Gegenbewegung stattfinden und sogar ein starkes Aktienjahr werden, wenn siehe (2)

Möglichkeit 2: Markt irrte sich
Die Ökonomen haben Recht, es gibt keine Rezession 2019. Historisch ist die Ausgangslage hier klar: in jeder Rezession tauchten die Märkte mindestens in dieser Grössenordnung ABER: es kam bereits einige Male vor (z.B. 1987), dass eine Marktkorrektur in der jetzigen Grössenordnung KEINE Rezession vorhersagte. Dann war immer das darauf folgende Jahr stark positiv.

Möglichkeit 3: Lichter aus
Ray Dalio postete auf seinem LinkedIn-Profil (siehe To Help Put Recent Economic and Market Moves in Perspective ) einen langen, sehr lesenswerten Artikel über die grossen ökonomischen Zusammenhänge zwischen Markt und Realwirtschaft. Etwas unzulässig auf den Punkt gebracht gilt es den "short-term debt cycle" (Zeithorizont 5 bis 10 Jahre) und den "long-term debt cycle" (Zeithorizont 50-75 Jahre) zu beachten. Ersterer startete wohl mit der Finanzkrise, wo es sinnvoll und notwendig war, den Markt zu "unterstützen", und endet nun - einer Zeit, in dem sich die Zinsen und Schulden wieder auf Normalhöhe eingependelt hätten sollen (was natürlich nicht der Fall ist). Dieser könnte nun ausgerechnet auf das Ende des "long-term debt cycle" fallen, in dem mit wenigen Ausnahmen Jahr für Jahr die Zinsen auf langlaufenden Anleihen fielen und damit Obligationen sehr interessant waren. Träfe das zu, wäre dann der Zeitpunkt gekommen, dass Staaten und Nationalbanken massiv den Markt stützen, um eine Depression zu vermeiden. Und wenn die bereits stark verschuldet sind und nicht mehr agieren können?
Zudem scheint mir ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass in immer mehr Länder die politischen Risiken zugenommen haben.

Was heisst das konkret? Alle drei Szenarien sind nicht wirklich attraktiv für den langfristigen Anleger, und es ist nicht verwunderlich, dass die meisten "Legenden" in der Börsenwelt schon seit Jahren bzgl. des nächsten Jahrzehntes pessimistisch eingestellt sind. Immerhin ist unabhängig vom Szenario eine Gegenbewegung zur jetzigen Korrektur sehr wahrscheinlich und jetzt somit ein schlechter Ausstiegszeitpunkt. Hinzu kommt, dass das Marktsentiment nun extrem "bearish" ist - ein guter Kontraindikator.
Mit Szenario 2 hätten wir ausgehend von den jetzigen Tiefstständen ein super Börsenjahr für 2019 - vielleicht sogar Nahe an vergangenen Höchstständen, aber vermutlich mit hoher Volatilität und Risiken.
Szenario 3 ist am schwierigsten zu interpretieren: hier würden auf kurze Aufwärtsphasen, lange Abwärtsphasen folgen. Geld ist dann wohl nur mit Spekulation zu verdienen.
Und dann haben wir noch einen Joker in der Hand: Innovation. Noch nie hatte unsere Welt so viel gut ausgebildete kluge Köpfe. Von neuen Firmenkonzepten (wie Amazon) zu neuen Assetklassen (wie Bitcoin), werden wir garantiert in den nächsten Jahren neue Highflyer sehen. Zudem wäre es ein fataler Fehler, Firmen mit monopolartigen Stellungen, die nun mit guter Bilanz Milliarden Profite machen, abzuschreiben: z.B. Social Media, Cloud-Computing, Shared Economy, Consumer Brands. Aber dennoch: das Investieren wird anspruchsvoller!


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