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Die Sache mit dem Gold

Sinn und Unsinn von Goldanlagen

Ein bekannten deutscher Trading-Coach traf sich einmal mit einem noch international viel bekannteren Börsen-Guru, der ein ausgesprochener Gold-Freak ist. Nach etwas mehr als einigen Bierchen meinte der Guru, er wäre doch dumm, nicht Gold in seinen Newslettern zu empfehlen: geht es mit dem Gesamtportfolio bergauf, ist ihm niemand böse, wenn er mit den Gold-Positionen keinen Gewinn macht. Geht es mit dem Gesamtportfolio bergab, sind beide der folgenden Szenarien für den Guru opportun: geht auch Gold bergab, gibt es berechtigte Hoffnung, dass es nun bald mal mit den Goldpreisen hoch geht und er ja das schon immer behauptet hat. Geht es mit dem Gold bergauf, ist der Anleger froh um den bekommenen Tipp, auch wenn sein Gesamtportfolio nach unten geht.

Ob die Aussage stimmt oder nicht, kann ich nicht überprüfen und ist letztendlich auch für das heutige Thema egal, aber es ist auffällig, dass es viel mehr Newsletter-Angebote gibt à la „Der nächste Crash ist um die Ecke“ als beispielsweise die wesentlich profitablere Strategie „Warum ich in Aktien investiere, die schon lange gut gelaufen sind“.

Genug der Einleitung. Gold wird regelmässig dem Anleger zur Diversifizierung empfohlen. Ist das sinnvoll? Jetzt mal davon abgesehen, ob Asset Diversifizierung für den langfristig orientierten Anleger sinnvoll ist (laut Warren Buffet z.B. klares Nein), müsste Gold folgende Kriterien erfüllen:

1. Liquidität, Handelbarkeit, Verfügbarkeit:
Diese sind im Unterschied z.B. zu Kunstgegenständen oder Diamanten klar gegeben. Gold kann physisch, per ETF, Futures und viele andere indirekte Wege jederzeit gekauft und verkauft werden und das mit verhältnismässig kleinen Spreads und Gebühren. Physisches Gold ist wohl im wirklichen Notfall das illiquideste: dem Szenario, dass ich dann beim Bauer Gold gegen Essen einkaufen kann, vertraue ich nicht wirklich.

2. Negative Korrelation zu Aktien:
Im Trading oder kurzfristigen Short-/Longstrategien ist meist die Bedingung hinreichend, dass eine Assetklasse nicht zur Kernposition (meist Aktien) korreliert. Bei einem klassischen Portfolio ist jedoch die Erwartung, dass Gold negativ zu Aktien korreliert, um die durch Aktien erlittenen Verluste zumindest teilweise zu kompensieren. Geht das? Kürzlich hat das Research Team von TastyTrade die Korrelation von Gold zu US-Aktien 1990 bis 2017 genauer analysiert. Die folgende Grafik zeigt die Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem S&P 500.



Man sieht recht gut, dass sich diese Korrelation nahezu zufallsmässig verteilt, d.h. wenn Aktien sinken, kann Gold ebenso sinken, oder steigen oder sich kaum verändern. In den Jahren 2008 und 2013 eignete sich Gold sehr gut zur Diversifikation, im jeweils darauf folgenden Jahr (2009 und 2014) schon wieder nicht mehr. Ausserdem kann aus der Grafik schön abgeleitet werden, dass diese Korrelation stark schwankend und kaum voraussehbar ist, d.h. dass Gold im Portfolio sich schnell von einem Bremser zu einem Turbo und umgekehrt entwickeln kann.
Nicht ersichtlich aus dieser Grafik ist die starke „Zyklusneigung“ von Gold: von 2000 bis 2010 ein gewaltiger Bullenmarkt mit einer kurzen aber mit über 30% extrem heftigen Korrektur 2007 bis 2008, allen Prognosen zu Trotz ein hartnäckiger Bärenmarkt 2011 bis 2015 und eine Seitwärtsbewegung mit starken Schwankungen seit 2016.
Hier eine Grafik (liquidster Gold-ETF in USD):



Unterm Strich bestätigt sich recht klar: Gold eignet sich wegen seiner hohen Volatilität und Unabhängigkeit vom Aktienmarkt hervorragend zur Spekulation - alles andere ist mehr Glaubenssache statt faktenbasiert.

P.S. Diese Thematik passt eigentlich perfekt zum Korsett der Die 12-Top-Fragen für den Do-It-Yourself-Investor, welches ich vor einiger Zeit aufgestellt habe. Danke den Interessenten! Selbstverständlich werde ich Sie kontaktieren, sobald die Unterlagen oder ein konkreter Workshop bereit stehen. Möchte das in den nächsten Wochen anpacken.

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