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Anlegen 2018: das Risiko des fehlenden Risikos

Jeder Investor sollte eine Art Glaubensgrundsatz entwickeln und verfolgen, diesen etwa jedes Jahr hinterfragen und dann ein weiteres Jahr sich danach richten. 2017 war in jeder Hinsicht ein aussergewöhnliches Aktien- und Immobilienjahr und ein ziemlich gewöhnliches Jahr in den meisten anderen Assetklassen. Warum?

Nahezu alle Aktienmärkte verzeichneten eine Kursentwicklung über der Standardabweichung von 1 (gemessen an der impliziten Volatilität), was nur etwa alle ein, zwei Jahrzehnte vorkommt. Die Volatilität kratzte Tag für Tag an Allzeittiefs. Konkret stiegen Technologieaktien am meisten (ETF QQQ ca. 2 Standardabweichungen), der S&P auf ca. 1.4 Standardabweichungen und so die meisten westlichen Märkte. Crypto-Currencies möchte ich an dieser Stelle gar nicht betrachten. Lassen sich daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen?

Blickt man in vergangene Statistiken ist nach Rekordjahren die Streuung des Folgejahrs am grössten - sprich es liegt ein weiterer Rekord drinnen oder ein langweiliges, flaches Jahr oder ein Absturz. Kurzum: für eine Vorhersage unbrauchbar. Dies lässt sich auch psychologisch recht gut erklären: sitzt die grosse Mehrheit der Anleger auf Gewinnen, und es gibt keine neuen gravierenden Fakten, schaut man recht entspannt dem Geschehen zu und die Entwicklung ist ein "Random Walk mit positivem Erwartungswert nach oben".




Fundamental:
2015/2016 hatte der Markt die "Chance" zu korrigieren und nach den gängigen Bewertungen (P/E, forward P/E, Shiller P/E, RoE etc.) die Preise auf ein "vernünftiges" Mass zu bringen. Er tat dies nicht und entschied sich dafür, dass "teuer keine Rolle" spielt. Nach der "Trump-Rallye" schwächelte der Markt Mitte 2017 etwas, bis die von mir als "Melt Up" titulierte Anti-Crash-These eintritt - ein inverser Crash, allen voran in "langweiligen" Titeln wie Boeing, Caterpillar oder John Deere. In einem solchen Markt steigen Aktien meistens länger als man es für möglich hält. Somit sollten wir noch nicht am Ende angelegt sein. Technisch kommt hinzu, dass Märkte wie Deutschland, Schweiz, Japan in USD gerechnet gerade Allzeit- bzw. Jahrzehntehochs erklommen haben und an diesen Märkten neue Marktteilnehmer neuen Appetit an Aktien bekommen.


Langzeitthese:
"Long Innovation - Short Commodities". Wenn Warren Buffett korrekt auf den Jahrzehnte andauernden US-Boom setzte, möchte ich in den nächsten (hoffentlich) 20 oder 30 Jahren beim Innovationsboom dabei sein, in dem innovative Firmen entweder direkt (Amazon, Google, Biotechnologie, Retailers wie Starbucks oder Red Bull) oder indirekt (Software, Chip-, Roboterhersteller) alte Firmen vom Markt verdrängen und neue, traditionell weniger innovative Branchen wie Transport, Landwirtschaft, Bergbau effizienter und vielleicht / hoffentlich auch ökologischer machen. Hier werden noch etliche Firmen aufkreuzen, die noch gar nicht gegründet wurden. Ebenso möchte ich als Investor nicht verpassen, wie China aller Voraussicht nach zur grössten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigt. Ich sehe meine Langzeitthese in keiner Weise gestört, nur ist der Eintrittspreis nun ein höherer.

Aktien:
Aktien sind gefährlich hoch bewertet ABER die Rahmenbedingungen sind so günstig wie noch nie (Fiscal Policy, Globalization, Negativzins, weltweit verfügbares Wissen und Top Shots, potente Kapitalgeber, Englisch als Weltsprache) und die Alternative #1 (Bonds und Sparbuch) bei 0% Zins nicht wirklich eine Alternative. Der Trend spricht klar weiter für Aktien, nur sehen das mittlerweile 99% der Investoren so, und die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass es kein guter Zeitpunkt ist, mitten in der Party (neu) einzusteigen. Mit viel Cash auf der Seitenlinie und Know-How in der Absicherung lässt sich besser ruhig schlafen. Für Value-Investing scheint mir ein schlechter Zeitpunkt zu sein.

Währungen:
Beobachte ich zur Zeit mit grösster Spannung. Der US-Dollar ist in einer sehr gefährlichen technischen Konstellation. Im Normalfall (weitere Zinserhöhungen) müsste er wieder erstarken, und der Schweizer Franken die seit Sommer eingeschlagene Talfahrt fortsetzen. Tut er das nicht, könnte dies eine wirkliche Trendumkehr zu einem stärkeren Euro und höheren Commodity-Preisen einleiten.



Commodities:
Gold hat sich 2017 gut erholt, aber aus meiner Sicht ist der Langzeitabwärtstrend noch nicht gestoppt - es fehlt aber nicht mehr viel. Erholt sich allerdings der Dollar und US-Aktien brummen weiter, sehe ich wenig Potential. Ähnliches würde ich für Öl sagen, auch wenn es hier ein wenig besser aussieht. Ich persönlich halte viel Cash halten die bessere Alternative als ein wenig Gold zu halten. Die meisten Soft Commodities sind in einem Tal der Tränen und somit eine kurzfristige Erholung zu erwarten (und dann?).

Risiken:
Objektiv gesehen werden die Risiken für 2018 in praktisch allen klassischen Anlageklassen als sehr gering eingeschätzt, weil die Volatilität so gering wie noch nie ist und für Optionen so wenig wie noch nie bezahlt wird. Ein Blick in die Historie zeigt, dass in solchen Konstellationen der Markt sich selten unmittelbar irrt und ein, zwei Dämpfer problemlos weggesteckt werden können - aber wenn dann wirklich was Grosses passiert, dann ... mit -25% und runter geschraubten Gewinnerwartungen wäre der Markt immer noch teuer!
Ein völlig neues Phänomen ist das Ausmass der long-only Passivinvestitionen - in den USA rund 50%. Man kann mittlerweile sagen, dass die neuen Passiv-Investoren auf kleine Einbrüche gelassener reagieren als früher (also prinzipiell positive Entwicklung). Zudem können sich (subjektiver Eindruck) schlechte Firmen mit schlechtem Management länger im Markt unbeschadet halten als gewohnt (negative Entwicklung). Kein Mensch kann heute abschätzen, wo der "Treshold" bei all den Passiv-Investoren und Algos liegt, bei dem diese Korrekturen statt als Kaufsignal als Verkaufssignal interpretieren. Was macht der Kadermitarbeiter, der mit Robo-Advisor monatlich CHF 1,000 mit Programm "growth" anlegt, wenn er im Autoradio dauernd von Korrekturen erfährt und sieht, dass trotz Diversifizierung das Portfolio jeden Tag an Wert verliert? Vermutlich ziemlich lange nichts und dann nach dem ersten Crash nichts mehr einzahlen. Und dann? Vielleicht auf "balanced" umstellen. 10% mehr Obligationen und 5% mehr Gold werden aber die Richtung des Portfolios nicht ändern. Und dann? Oder wenn er mehr Geld braucht als budgetiert (Änderung in Zinsen, Lebenskosten, Einkommen?).

Strategie:
In der jetzigen Konstellation, in dem ein klarer Trend vorliegt, der aber von allen gesehen wird, kann ein einziger Parameter (z.B. starke Trendumkehr im Dollar) oder Überraschung (z.B. vollkommen unterschätzte Inflation) sehr viel bewirken. Mein bevorzugtes Vehikel sind und bleiben (Quant-)Strategien basierend auf einer groben qualitativen Grundidee, viel Cash und ein paar Technologie- und Asientitel. Aber es ist klar, dass dies keine "Jedermann"-Strategie ist. Vielleicht ist die beste Strategie, sich mal über Neujahr in Ruhe über Einnahmen und Ausgaben im Klaren zu sein und sich ein "was wäre wenn" im Portfolio zu überlegen.

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