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Gesucht: Credit Suisse Neu - effizient und produktiv

Die Presse hat recht einheitlich den Investor's Day zusammengefasst: neue Hoffnung durch neues Sparpaket und langsam kann Tidjane Thiam seinen Stempel der Firma aufdrücken.

Als regelmässiger inside-it.ch Leser fand ich einen ganz anderen Aspekt interessant, der aufgegriffen wurde: die CS als Technologiefirma mit DevOps, Cloud und Top-Informatikern. Da stellt sich für mich natürlich die Frage: Bluff oder baldige Realität?
Ich habe schon in einem früheren Artikel einmal geschrieben, dass das Businessumfeld so komplex und kompetitiv geworden ist, dass ich wenig davon halte, "Turn-Around"-Kandidaten zwecks Investmentmöglichkeiten zu analysieren. Bestes Beispiel ist Carl Icahn, der nach grossartigen Erfolgen in früheren Jahrzehnten mit seinem Portfolio und Problemkindern seit Jahren nicht vom Fleck kommt.
Aber dennoch zumindest als Gedankenspiel für mich: wird das was?

Diese Frage stellen sich wohl auch viele ip-Leser und viele können aus eigener Erfahrung besser als ich die Frage beantworten. Dennoch hier ein paar Orientierungspunkte.

Um was geht es überhaupt?
Der Artikel in inside-it versteht sich als Zusammenfassung der Präsentation von Pierre-Olivier Bouée, Group COO, am Investor Day der Credit Suisse. Was kommt?
- Digitalisierung von 200 operationellen Prozessen
- 350 bis 400 Roboter sollen ab 2019 händische Tätigkeiten ersetzen
- AI, Deep Learning, Distributed Ledger und Smart Contracts
- Bis in zwei Jahren soll die Software-Entwicklung zehn bis 15 Prozent effizienter werden.
- bis 2020 60 Prozent der Operating-System-Instanzen(=???) in der Cloud
- 400 nicht-strategische Applikationen wolle man in den kommenden drei Jahren loswerden

Die Folien der Präsentation von Pierre-Olivier Bouée und Paul Turrell können von der CS-Webseite heruntergeladen werden (Link).

Und nun? Prinzipiell bin ich immer skeptisch, wenn "Dinosaurierfirmen" von neuen IT-Trends erzählen. Ich probiere es mit folgender Checkliste das Vorhaben einzuschätzen:

1. Chefs
Hier stellt sich für mich die Frage: Haben die Chefs ein Verständnis für IT? Einfachster konkreter Hinweis: haben sie selbst früher über einige Module hinweg programmiert? Negativ. Bouée ist Jurist mit einem Master in Public Administration, Turrell kommt von einer Business School. Positivbeispiele sind faktisch alle Chefs der Top-IT-Firmen von Alibaba bis Microsoft.

2. Kultur
Gibt es Teams, die sich einerseits seit Jahren gewohnt sind, herumzutüfteln, zu experimentieren, alte Zöpfe abzuschneiden und andererseits dann die Erkenntnisse in Form von Applikationen in möglichst fehlerfreien effizienten Code oder in einem Verbund von Standardapplikationen umsetzen?

3. Architektur
Wurden die Back-Office-Systeme über die Jahr so in Schuss gehalten, dass sie immer noch modular, flexibel und effizient sind, um z.B. die Daten, die der Roboter oder der "Intelligente Lernalgorithmus" kreiert, in die Kundendatenbank / CRM / Portfoliomanagementsystem an die richtige Stelle mit der richtigen Semantik abzulegen? Zu bezweifeln.

4. Businessverständnis
Sind die IT-Teams, die jetzt "AI, Deep Learning, Distributed Ledger und Smart Contracts" einführen sollen, so nahe am Business bzw. am konkreten zu automatisierenden Prozess, dass sie direkt loslegen können, ohne in mühsamen Konzepten, Analysearbeiten, Anwenderdialogen sich überhaupt die Grundlagen erarbeiten zu müssen?

Insgesamt kommt mir das ganze Vorhaben aussichtslos vor, und erinnert mich an die Zeit als Vontobel eine Internetfirma werden wollte.

Ich würde einen vollkommen anderen Ansatz wählen, z.B. Übernahme einer autonom agierenden Discount-Bank und Schritt für Schritt Retailkunden den Übertritt dorthin schmackhaft machen.
Oder einen "Big Bang"-Ansatz a la Bohli.

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